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            <title type="main">Samstag, der  6. Dezember 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
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                  <idno type="signature">Band28_1975-12-06</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-06_01">Samstag, 6. Dezember 1975<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-06_02">Das war ein ausgesprochener Oberösterreich-Tag. Bei der Staats<lb break="no"/>wappenüberreichung Linz – Ringbrotwerke – nützte ich die Gelegen<lb break="no"/>heit, um vor der Belegschaft aber ganz besonders der anwesen<lb break="no"/>den Handelskammerleute ein Rundschreiben des Besitzers Dr. <rs type="person" ref="#per__115021">Ehninger</rs><lb/>
zu kritisieren. <rs type="person" ref="#per__115021">Ehninger</rs> war sehr überrascht, dass ich diese<lb/>
Details kannte. In diesem Brief an die Mitarbeiter meinte <rs type="person" ref="#per__115021">Ehninger</rs><lb/>
wenn der Fachverband entsprechende höhere Löhne wieder vereinbaren<lb/>
sollte, dann müsste er mit den Betriebsräten sich überlegen, wie<lb/>
sie eine Sonderlösung durchführen. Dies ist gesetzlich aber gar<lb/>
nicht möglich, weil Kollektivvertragsvereinbarungen eben von<lb/>
beiden Teilen einzuhalten sind. Da sein Schwiegervater, der schon<lb/>
gestorben ist, im Fachverband immer eine Rolle gespielt hat,<lb/>
erklärte ich, dass ich auch in Hinkunft annehme, das die Fa.<lb/>
innerhalb des Fachverbandes sich versucht durchzusetzen, dann aber<lb/>
selbstverständlich entsprechende Beschlüsse auch einhält. Im<lb/>
Betrieb haben 2 Betriebsratslisten der Sozialisten kandidiert<lb/>
und drei zu drei Stimmen jeweils bekommen. Die Konstituierung des<lb/>
Betriebsrates wird nicht sehr einfach sein und noch viel kritischer<lb/>
wird es dann bei den zukünftigen Verhandlungen. Wenn man hier nicht<lb/>
aufpasst, wird der Unternehmer gleich die unglückliche Differen<lb break="no"/>zierung nützen, weshalb ich umso mehr auf die Sache Vereinbarung<lb/>
Fachverband – Gewerkschaft hingewiesen habe.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-06_03">Bei das Gablonzer Genossenschaft – Ausstellungshaus – lernte<lb/>
ich Obmann <rs type="person" ref="#per__141708">Waniek</rs> und Dir. <rs type="person" ref="#per__141709">Nemecek</rs> kennen. Im August hatte ich<lb/>
Gelegenheit in Gablonz Bohemia, die tschechische Gesellschaft,<lb/>
und deren Produkte kennenzulernen. Dort erzeugte man Massenware,<lb/>
wahrscheinlich irrsinnig billig im Export, aber mit der österr.<lb/>
Qualitätsarbeit sicherlich nicht zu vergleichen. Neu war noch,<lb/>
dass ich erfuhr, dass schwedische Einkäufer z.B. nach Österreich<lb/>
kommen, weil sie in der CSSR nicht zeitgerecht die Bestellungen<lb/>
ausgeliefert bekommen. In der Gablonzer Genossenschaft sind<lb/>
131 Betriebe organisiert auf ganz Österreich fast verteilt, 220<lb/>
Genossenschaften. Der Umsatz beträgt 50 Mill. Wenn man aber den<lb/>
Umsatz aller 3.000 Beschäftigten rechnet, so sind es über<lb/>
900 Mill., die die einzelnen Firmen erzeugen. Im Inland sind nur<lb/>
5 % davon absetzbar, der Rest muss exportiert werden. Ich ver<lb break="no"/>sprach der Genossenschaft, wenn sie das nächste Mal Planungs<lb break="no"/><pb n="28-1441" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band28/28_1975-12-06_1441.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>kosten hat, ich diese übernehmen werde, weil ich dies auch bei<lb/>
den Messen und ganz besonders bei der Genossenschaft in Fulpmes<lb/>
übernommen habe. Mit <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs>, ÖFVW, werde ich über eine gemeinsame<lb/>
Werbung noch sprechen. Die Gablonzer müssen schrecklich viel<lb/>
als Genossenschaft werben und haben dafür 180.000 S pro Jahr aus<lb break="no"/>gegeben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-06_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte stelle fest im Hause, wie man der<lb/>
Genossenschaft helfen könnte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-06_05"><add>[Der]</add> Bürgermeister von Wels hat in seinem Stadtsenatsaal die Übernahme<lb/>
der Berechtigung zur Führung des Staatswappens an Bahnbau Wels<lb/>
organisiert. Dies ist ein verhältnismässig junger Betrieb, 25<lb/>
Jahre alt, und erbringt eigentlich kaum Leistungen, die <choice><choice><sic>es</sic><corr>ihn</corr></choice></choice> berech<lb break="no"/>tigen würden bei strengster Massstabsanlegung diese Auszeichnung zu<lb/>
geben. Die Handelskammer hat auch dagegen protestiert, solange<lb/>
nicht Plasser &amp; Theurer die Staatswappenauszeichnung bekamen.<lb/>
Dies ist nun in letzten Zeit geschehen und die Eisenbahnergewerk<lb break="no"/>schaft, aber auch der ARBÖ und vor allem einmal die Gemeinde<lb/>
drängten mich dazu, ihm – Besitzer ist nämlich KR <rs type="person" ref="#per__134265">Wilfling</rs>,<lb/>
ein ehemaliger Bankier – sicherlich grösstenteils aus Eitelkeit<lb/>
diese Auszeichnung zu überreichen. Da es mir persönlich ganz<lb/>
wurscht ist, wer es bekommt, die gesetzmässige Überprüfung mein<lb/>
Ministerium vorgenommen hat und auch letzten Endes positiv ent<lb break="no"/>schied, war ich natürlich auch bereit, nach Wels zu fahren.<lb/>
Zum Abschluss zeigte man und dann noch einen Kindergarten, den<lb/>
<rs type="person" ref="#per__134265">Wilfling</rs> mit 5,3 Mill. S der Stadtgemeinde errichtet hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-06_06">Ein jahrzehntelanger Bekannter vom Mühlenfonds, <rs type="person" ref="#per__141712">Strobl</rs>, Besitzer<lb/>
der grossen Müllerei in Ebelsberg, hatte ebenfalls seit Jahren<lb/>
schon versucht, mich zu einem Besuch seiner Mühle zu veran<lb break="no"/>lassen. Da ich jetzt in Oberösterreich war, bin ich dann tat<lb break="no"/>sächlich hingefahren und habe dort die Mühle besichtigt, die extra<lb/>
wegen mir in Betrieb gehalten wurde. Er hatte die Betriebsräte auch<lb/>
eingeladen und mir kam so richtig zu Bewusstsein, was es für einen<lb/>
Unternehmer bedeutet, insbesondere für die 84-jährige Mutter<lb/>
dass ein Minister zu Besuch kam. Die Mühle erzeugt qualitäts<lb break="no"/>mässig einwandfreies Mehl und <rs type="person" ref="#per__141712">Strobl</rs> ist gerade auf diesem Gebiet<lb/>
sehr tüchtig. Als einmal bei einer Anordnung bei der Ausmahlungs<lb break="no"/>type 480 das Wörtchen Griess vergessen wurde, hat er sofort ein Mehl<lb/>
der Type 480 erzeugt und damit einen guten Absatz gehabt. Jetzt<lb/>
hat sein Sohn ein vitaminisiertes Brot entwickelt. Die Müller<lb/>
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dies alles wegfallen würde, würden sich die tüchtigen Müller in der<lb/>
Qualität sicherlich durchsetzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-06_07">Die SPÖ in Enns und ganz besonders der Bürgermeister ersucht<lb/>
mich, ob ich nicht einmal noch Enns besuchen könnte, um einen<lb/>
notleidenden Betrieb aber ganz besonders die Zuckerfabrik<lb/>
zu besuchen. Da ich nicht wieder nach Enns hinauffahren wollte,<lb/>
erklärte ich mich bereit, am Abend noch die Zuckerfabrik zu<lb/>
besichtigen. Die Kampagne ich in vollem Gange, wird weit über<lb/>
Weihnachten hinaus ins neue Jahr reichen, etwas was seit 15 Jah<lb break="no"/>ren nicht mehr der Fall war. Jetzt läuft alles glatt, die Gefahr<lb/>
ist nur, dass ein Kessel ausfällt, dann würde die Kampagne noch<lb/>
länger dauern als bis in die Jännertage hinein. Der Direktor<lb/>
erklärte mir, was ich sowieso schon wusste, wie glücklich er ist,<lb/>
dass man auf der einen Seite den Export jetzt genehmigt hat und er<lb/>
auf der anderen Seite aber einen Silo (den 4.) für Zucker errich<lb break="no"/>tet. Wäre beides nicht gewesen, hätte die Lagermenge gar nicht aus<lb/>
gereicht, um die Produktion aufnehmen zu können.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 6.12.1975</head>
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